
Es waren wohl die Iren, die die Nacht vor Allerheiligen feierten und diesen Brauch mit den Auswanderern auf amerikanischen Boden brachten, wo er zweifelsfrei zur Blüte gelangte. Angeblich wurzelt das Fest in dem keltischen Feiertag Samhain, an dem die Geister der Toten Kontakt zu den Lebenden aufnehmen. Eine eher christliche Theorie bezieht sich auf Allerseelen am 2. November, wenn beispielsweise durch Gaben an bettelnde Kinder die Leiden derer im Fegefeuer gelindert werden sollen. Dafür spricht, dass Halloween vor allem im katholischen Teil der britischen Inseln gefeiert wurde, bevor es in den USA und Kanada fast Volksfestcharakter erlangte. In Europa kam das Halloweenfest im amerikanischen Stil erst ab 1990 in Mode, allerdings lassen sich viele Parallelen zu altbekannten heimischen Bräuchen wie der Bochselnacht aus dem Kanton Thurgau, dem Räbechilbi vom Zürichsee, dem Räbenlicht, dem Kilbesingen, Rummelbooze und der bayerischen Rauhnacht erkennen.
In Amerika ist Halloween überall – auf öffentlichen Plätzen, in Klassenzimmern, sogar in Behörden. In Europa ist es nach wie vor ein eher privates Fest. Der Klassiker «Trick or treat», also «Süsses oder Saures» beschert manch unfreigiebigem amerikanischen Nachbarn eine böse Überraschung. Bei uns halten die Streiche sich zumeist in Grenzen – vielleicht, weil nahezu alle Erwachsenen brav mitspielen. Unerlässlich sind natürlich die Kostüme, vorzugsweise als Fledermaus, Hexe, Geist, Vampir oder Kürbis – Hauptsache schaurig-schön! Kleinere Partygeister werden auf ihrer Tour durch die Nachbarschaft oft von Erwachsenen begleitet, der Spass ist umso grösser, wenn auch die sich verkleiden.
Schon einige Tage vor dem eigentlichen Fest tauchen sie auf – flackernde Kürbislaternen mit freundlich oder grimmig geschnitzten Gesichtern. Sie verzieren Fenster, Hauseingänge und Treppen, sorgen in der Dämmerung für stimmungsvolles Licht und machen schon beim Herstellen Spass. Wenn sie im Freien stehen, sollten sie allerdings vor Regen geschützt werden, weil sie sich sonst heillos zusammenknautschen und nicht mehr geliftet werden können. Auch in der Wohnung sorgen Girlanden aus orangeroten Papierkürbissen für Halloween-Laune. Auf einem mittig gefalteten Blatt wird die Form vorgezeichnet, bemalt und ausgeschnitten – ähnlich wie eine Klappkarte. An der gefalteten Kante hängt man das Ergebnis auf Schnüre und fixiert es per Klebeband oder Tacker. Für sanften Schauer braucht es künstliche Spinnweben aus dem Bastelgeschäft, Gummi- oder selbstgestaltete Papierspinnen und Fledermäuse. Dekorierte Reisigbesen sorgen für ein hexiges Ambiente, ein geschickt platzierter Nebler macht das Gruselflair perfekt.
An Halloween muss natürlich auch das Essen «gruselig» werden.
Keinesfalls sollte das Vergnügen an Halloween sich auf den grossen Beutezug beschränken. «Stille Post» wird richtig schaurig, wenn Gruselreime oder Wörter wie «Spinnenschneckenschleimgrütze» von Ohr zu Ohr wandern. Auch ein Fühlspiel, bei dem man mit verbundenen Augen in Schüsseln voll Götterspeise oder schalenloser Weintrauben (Augäpfel!) greift, sorgt stets für stimmungsvollen Spass.
Text: Claudia Eichhorn